Ein freiwilliger Helfer geht baden und tastet nach dem Gully-Rost in der SchöllerstraĂe in Opladen, wo das Wasser lange nicht ablief.
Copyright: Ralf Krieger
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Leverkusen â Trotz all der MillionenschĂ€den, dem Verlusten von materiellen Dingen und unwiederbringbaren ErinnerungsstĂŒcken, all der persönlichen Schicksale, das Wichtigste ist: Bei dem Unwetter sind in Leverkusen bislang keine Menschen zu Tode gekommen.
Die Wiembach-Allee am Mittwochabend um 21.20 Uhr.
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Das ist dem Einsatz von Feuerwehr und RettungskrĂ€ften zu verdanken, die seit Mittwochmorgen im Dauereinsatz sind, einige seit 30 Stunden am StĂŒck. Den ersten und wohl dramatischen Einsatz hatten sie bereits am Mittwochvormittag in der Schlebuscher Gezelinallee. Hier steckten zwei Personen in einem Aufzug fest, der mit Wasser volllief. âAls unsere EinsatzkrĂ€fte da waren, stand ihnen das Wasser bis zum Kinnâ, berichtet Feuerwehr-Einsatzleiter Thomas Kresse. Mit starken Pumpen wurde dann Wasser ĂŒber eine Dachluke abgepumpt und gleichzeitig der Deckel mit einer Flex geöffnet, um die Personen zu befreien. Die TĂŒren lieĂen sich nicht mehr öffnen. âDas hĂ€tte knapper nicht sein könnenâ, sagt Kresse.
BĂŒrgertelefon
Zur aktuellen Unwetterlage hat die Stadt Leverkusen den Krisenstab einberufen. Ein BĂŒrgertelefon ist eingerichtet: ââ 0214/406-3300, -3301,
3340. Aktuelle Information sind auf der Website der Stadt zu finden.
https://www.leverkusen.de/
Insgesamt mussten bis Donnerstagmittag 20 Personen aus lebensbedrohlichen Situationen gerettet werden. Neben dem Aufzug erwiesen sich steckengebliebene Autos so wie Wohnungen und Keller im Untergeschoss als potenziell tödliche Fallen. Wenn Wasser von auĂen drĂŒckt, lassen sich TĂŒren kaum noch öffnen, wĂ€hrend der Raum sich unaufhörlich mit Wasser fĂŒllt.
Alle Menschen konnten gerettet werden. Von einer 40-köpfigen Schafsherde, die in Opladen von einer Flutwelle der Wupper erfasst wurde, konnten die Feuerwehr allerdings nur zehn Tiere retten, der Rest ertrank in den Fluten.
âWir geben Ihr Haus aufâ
Insgesamt sieben Stunden lang kĂ€mpften die EinsatzkrĂ€fte um eine Einfamilienhaus im Bereich Lehner MĂŒhle, wo Wiembach und Biesenbach ineinander drĂŒckten. Doch alle Pumpen und SandsĂ€cke reichten am Ende nicht. âDas ist schwer, wenn man den Menschen nach sieben Stunden harter Arbeit sagen muss: Wir geben Ihr Haus jetzt auf, das Wasser ist stĂ€rkerâ, sagt Kresse. Immerhin konnte der Einsatz den Bewohnern genug Zeit verschaffen, um mit vereinter Muskelkraft WertgegenstĂ€nde in obere Stockwerke zu schaffen.
19 Uhr: Altenwohnungen von Sankt Elisabeth vom DhĂŒnnwasser eingeschlossen.
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Dramatisch war auch der Einsatz im Altenheim St. Elisabeth in Schlebusch. Hier wurden Bewohner zunĂ€chst in höhere Stockwerke verlegt. Als selbst der Notstrom ausfiel, mussten alle evakuiert werden. Im Dunkeln durch knietiefes Wasser. âNatĂŒrlich bekommen die alten Menschen dann auch Panik, das war nicht einfach fĂŒr die Kollegenâ, sagt Kresse. Und lobt nicht nur den unermĂŒdlichen Einsatz der vielen Helfer, darunter zahlreiche Ehrenamtliche. Auch die Bevölkerung lobt er: Mit dem Notruf sei sehr verantwortlich umgegangen worden, viele hĂ€tten in der Nacht mit angepackt, so der Einsatzleiter.
Und der Einsatz ist noch lange nicht vorbei: Rund 700 offene Hilfsgesuche hat die Feuerwehr am Donnerstagmittag noch auf der Liste. Und sie erwartet, dass diese noch einmal viel lĂ€nger wird, wenn sich das Wasser aus Opladen erst mal wieder verzieht. Dabei werden ab Freitag 200 Bundeswehrsoldaten helfen, auĂerdem sind 500 bis 600 FeuerwehrkrĂ€fte aus anderen BundeslĂ€ndern zugesagt.