Am 19. April soll das Votum der Leverkusener Bürger vorliegen.
Rhein-Ruhr-BewerbungStadtrat beschließt Bürgerentscheid zu Olympischen Spielen in Leverkusen

Olympische Fußballspiele in der Bay-Arena? Darüber soll auch die Bevölkerung entscheiden.
Copyright: Ralf Krieger
Soll Leverkusen sich an einer Bewerbung um Olympische Spiele für die Jahre 2036, 2040 oder 2044 beteiligen? Zu dieser Frage werden die Leverkusener Bürgerinnen und Bürger befragt. Das hat der Stadtrat in seiner Sitzung am 19. Januar mit großer Mehrheit beschlossen. Ein Überblick über die Sachlage.
Der bisherige Stand
Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) beabsichtigt, sich um die Ausrichtung der Olympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044 zu bewerben. Vier mögliche Ausrichter haben im ersten Schritt Bewerbungen dafür eingereicht: Berlin, Hamburg, München und „Köln.Rhein.Ruhr“. Zu letzterer gehören 17 Kommunen in Nordrhein-Westfalen mit Köln als „Leading City“, darunter auch Leverkusen. Ein zweiter Schritt sieht Bürgerbeteiligungen in den jeweiligen Austragungsstätten vor. Im dritten Schritt entscheidet der DOSB im September 2026, mit welcher Bewerbung Deutschland in die internationale Ausschreibung einsteigt.
Der Bürgerentscheid
Die NRW-Landesregierung wünscht die verbindliche Bürgerbeteiligung in allen am Konzept beteiligten Kommunen: „Damit setzt man sich bewusst von den anderen Bewerbern ab und macht die Unterstützung der Bevölkerung in Nordrhein-Westfalen zu einem zentralen Bestandteil des selbst gewählten Bewerbungsprozesses“, heißt es in der Vorlage. München allerdings hat bereits eine Bürgerbeteiligung durchgeführt, mit einer deutlichen Zustimmung von 66,4 Prozent. Hamburg plant das ebenfalls, nur Berlin möchte darauf verzichten. In Leverkusen soll der Bevölkerung bis zum 19. April folgende Frage gestellt werden: „Sind Sie dafür, dass sich die Stadt Leverkusen an der gemeinsamen Bewerbung der Region ‚Köln.Rhein.Ruhr‘ um die Olympischen und Paralympischen Spiele im Jahr 2036, 2040 oder 2044 beteiligt?“ Der Abstimmungsschein soll ohne vorherige Registrierung als Brief verschickt werden. Die Wahlberechtigung entspricht der, der Kommunalwahl. Die Kosten in Höhe von 400.000 Euro übernimmt zu 85 Prozent das Land, 60.000 Euro müssen aus der Stadtkasse bezahlt werden.
Leverkusen als Austragungsort
Leverkusen ist in der Bewerbung von „Köln.Rhein.Ruhr“ als Fußballspielstätte gekennzeichnet. Die Bay-Arena wird als eines der modernsten Stadien Deutschlands gelobt, positiv hervorgehoben wird auch das angebundene Hotel, die vorhandenen zehn VIP-Logen für insgesamt 140 Personen mit Tiefgaragen-Parkplätzen sowie die verkehrsgünstige Lage zwischen Köln und Düsseldorf. Hier könnten Spiele stattfinden oder auch Trainingsbetrieb. „Mit Orten wie der Bay-Arena würde die Region demonstrieren, wie bestehende Infrastruktur intelligent genutzt und zugleich sportliche Begeisterung für Millionen Menschen geschaffen werden kann“, heißt es in der Vorlage. Zuletzt hatte die Stadt eine Bewerbung als Austragungsort für die Frauen-Fußball-EM 2029 zurückgezogen – zu groß waren die Bedenken bezüglich der benachbarten Autobahnbaustelle. Mit dem Horizont bis mindestens 2036 scheinen diese kein Hindernis mehr zu sein.
Der Zeitplan
Am 19. Januar hat der Stadtrat sich bei einer Gegenstimme und zwei Enthaltungen dafür ausgesprochen, dass er eine Beteiligung an der Bewerbung grundsätzlich befürwortet – unter der Voraussetzung, dass auch der noch durchzuführende Bürgerentscheid positiv ausfällt. Bis zum 23. Februar sollen alle Ratsfraktionen, Gruppen, Einzelvertreter und der Oberbürgermeister zu dem Thema Stellung nehmen und eine Abstimmungsempfehlung aussprechen. Danach wird ein Wählerverzeichnis erstellt, an alle Wahlberechtigten wird ein Wahlschein per Brief verschickt, der zwischen 9. März und 19. April, 16 Uhr, beantwortet werden kann. Am Abend des 19. April wird das Ergebnis festgestellt.
Position der Stadt
Die Entscheidung wird dem Stadtrat und der Bevölkerung überlassen, der Vorlage ist aber klar zu entnehmen, dass die Stadtverwaltung eine Bewerbung befürworten würde. Sie betont gesellschaftlichen Mehrwert, volkswirtschaftlichen Nutzen und Aufwertung der Infrastruktur durch die internationale Großveranstaltung. „Die Ausrichtung von Olympischen und Paralympischen Spielen in der Region ‚Köln.Rhein.Ruhr‘ und insbesondere in Leverkusen wäre eine historische Chance und könnte als Katalysator für eine Aufbruchsstimmung in Rheinland und im Ruhrgebiet sowie in ganz Deutschland sorgen“, heißt es im Fazit.
Diskussion im Stadtrat
Matthias Itzwerth (CDU) wollte noch wissen, ob die Eigentümerin der Bay-Arena dem überhaupt schon zugestimmt habe, das kann die Stadtverwaltung bestätigen. Dirk Löb (SPD) hätte es lieber gesehen, wenn die Landesregierung die Kosten von 400.000 Euro für die Befragung komplett übernehmen würde und nicht einen Eigenanteil von 60.000 Euro an Leverkusen übertrage. Dennoch sei „Olympia in Leverkusen eine einmalige Chance“, über die die Bürger entscheiden sollen. Bedenken gibt es von den Grünen, der Linken und der Bürgerliste darüber, dass der Bürgerentscheid stattfindet, ohne dass etwas über die tatsächlichen Kosten für die Austragung der Spiele bekannt ist. „Ich hoffe, dass es sich für die Kommunen am Ende alles positiv darstellt“, sagt Claudia Wiese. Peter Viertel (Bürgerliste) sieht diese Risiken auch, aber auch die Chance „Vorreiter für nachhaltige, glaubwürdige und inklusive olympische Bewegung“ zu sein.
