Bayer Leverkusen zieht ins DFB-Pokal-Halbfinale ein, überzeugt jedoch trotz Sieges gegen St. Pauli nicht vollends.
„Grobe Fehler“Bayer 04 weiter im Pokal – die Form bleibt ein Rätsel

Patrik Schick (l.) und Robert Andrich jubeln über den Halbfinaleinzug im DFB-Pokal.
Copyright: IMAGO/Jan Huebner
Das Vertrauen von Kasper Hjulmand in seine Mannschaft wirkt unerschütterlich. „Jetzt spielen wir in Gladbach, dann folgen elf Spiele, jeden dritten Tag eins“, sagte der Trainer von Bayer 04 am späten Dienstagabend. Elf Spiele bestreiten die Leverkusener jedoch nur, wenn sie das Achtelfinale der Champions League erreichen. Hjulmand zeigt sich also sicher, dass seine Mannschaft die Playoffs gegen Olympiakos Piräus schadlos überstehen wird.
Eine gewagte These, hatte sein Team beim 3:0 gegen St. Pauli im Viertelfinale des DFB-Pokals zwar ein stattliches Ergebnis, aber keine überzeugende Leistung abgeliefert. Der Einzug ins Halbfinale steht sinnbildlich für die vergangenen Wochen: Bayer 04 setzt sich gegen formschwächere Gegner durch, mit mäßigen Leistungen und einigen Durchhängern.
Der Coach legte bei aller Rückendeckung dennoch den Finger in die Wunde, kritisierte vor allem die letzten 25 Minuten der ersten Halbzeit, das geringe Tempo und die fehlende Intensität. „Es waren zu viele grobe Fehler“, sagte Hjulmand. „In drei der vergangenen vier Spiele haben wir jeweils nicht gut über zwei Halbzeiten gespielt. Aber diese vier Siege in vier Spielen sind so wichtig für unsere Entwicklung.“
Robert Andrich auch im Formtief
Auffällig gegen St. Pauli war vor allem die schwache Passqualität, eigentlich ein Markenzeichen der Werkself. Auch im Defensivverhalten stimmte wenig. „Die Leistung war jetzt nicht top, aber wir haben gelernt, es geht vor allem darum, eine Runde weiterzukommen. Jetzt sind wir nur noch einen Schritt von Berlin entfernt, darüber kann man sich freuen“, sagte Robert Andrich, der selbst mit seiner Form ringt. „Uns hat es an Kernigkeit, an Abstimmung gefehlt. In Ballbesitz waren es keine Fehler unter großem Gegnerdruck. Das muss also an fehlender Konzentration gelegen haben. So haben wir den Gegner eingeladen. Das müssen wir verbessern.“
Zum Glück spielte Bayer 04 gegen einen Gegner wie den FC St. Pauli, dessen Stürmer Martijn Kaars zwei große Chancen auf einen Treffer liegenließ. Bayer vergab durch Patrik Schick ebenfalls einen Hochkaräter, zeigte sich danach aber eiskalt. Martin Terrier traf vor der Pause mit einem sehenswerten Volleyschuss aus der Drehung, Schick nach Flanke von García und Jonas Hofmann nach Hereingabe von Alejandro Grimaldo im zweiten Durchgang. Ein paar Höhepunkte also, insgesamt aber kein ansehnlicher Fußballabend für die Leverkusener Anhänger in der ausverkauften Bay-Arena.
„Mit so einer neu formierten Truppe wäre es ungewöhnlich, wenn wir stabil und konstant durch die Saison gehen würden, ohne Rückschläge“, sagte Hofmann und verwies auch auf die drei Niederlagen zum Jahresstart. „Wir haben viele junge Spieler dazubekommen. Für die Entwicklung der Mannschaft ist so eine Phase gar nicht schlecht, weil wir durch solche Wochen viel dazulernen, extrem reifen.“
Bei Hofmanns Ex-Klub Borussia Mönchengladbach im Topspiel am Samstagabend (18.30 Uhr, Sky) könnte dann auch wieder ein Spieler helfen, der bislang die größten Fortschritte gemacht hat: Ibrahim Maza. Der Mut und die Kreativität des 20-Jährigen haben sowohl gegen St. Pauli als auch beim 3:1 in Frankfurt gefehlt. Maza fiel mit leichten Knieproblemen aus, im Pokal reichte es knapp nicht, gegen Gladbach soll er wieder dabei sein.
Auch Tim Oermann sollte zumindest auf der Bank sitzen. Den Innenverteidiger hatte Bayer 04 im Sommer aus Bochum verpflichtet und an Sturm Graz weiterverliehen. Seit Dienstag ist er zurück in Leverkusen, weil ihn Bayer vorzeitig aus Österreich holte. Oermann steht voll im Saft und soll helfen, die zuletzt wacklige Defensive zu stabilisieren. Möglichkeiten zur Rotation gibt es in den nächsten Wochen viele – wenn es nach Hjulmand geht, inklusive Achtelfinale der Champions League.

